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Wohnungsknappheit 2026 – warum die Politik zu scheitern droht.

Leerstandsquote auf Rekordtief, Mieten steigen, Familien finden keine grossen Wohnungen: Was die Schweiz gegen die Wohnungsknappheit unternimmt – und warum es nicht reicht.

·Redaktion goInsure·Lesezeit: 8 min
Baukran in einer Schweizer Stadt symbolisiert Wohnungsbau und Wohnungsknappheit 2026

Leerstand CH

1.08%

Mitte 2025 (BFS)

Zürich

0.07%

Faktisch nichts frei

Mietanstieg

+20–30%

Neu- vs. Altmieten

Grosse Whg.

−50%

Neubauquote Luzern

Neubau/Ew.

52

Whg. pro 100 Neubürger, 2020er

Vergleich

114

Gleiche Kennzahl, 1980er

Rückgang

−54%

Bauquote seit 1980ern

Abbrüche ZH

2'500+

Whg./Jahr seit 2021

Die Fakten: Der Schweizer Wohnungsmarkt 2026

Die Leerstandsquote ist die wichtigste Kennzahl für die Wohnungsmarkt-Lage. Ein gesunder Markt weist 1.5–2% aus — Mieter haben dann echte Auswahl, Vermieter vermieten dennoch problemlos. In der Schweiz liegt dieser Wert gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) im Juni 2025 bei 1.08%, Tendenz weiter sinkend.

Leerstandsquote ausgewählter Kantone und Städte (Mitte 2025)
RegionLeerstandsquoteBewertung
Zürich (Stadt)0.07%Extreme Knappheit
Zug0.10%Extreme Knappheit
Genf0.46%Stark knapp
Basel-Stadt0.57%Stark knapp
Lausanne0.58%Stark knapp
Bern (Stadt)0.67%Knapp
Luzern0.34%Extreme Knappheit
Schweiz (Gesamt)1.08%Unter gesundem Niveau
Gesunder Markt (Referenz)1.5–2.0%Zielwert

Das Familien-Problem: Grosse Wohnungen fehlen

Besonders dramatisch ist die Lage für Familien mit mehreren Kindern. Gemäss einer Erhebung aus Luzern hat sich die Zahl der jährlich neugebauten 4- bis 5-Zimmer-Wohnungen in den letzten Jahren praktisch halbiert. Stattdessen dominieren 2.5- und 3.5-Zimmer-Wohnungen die Neubauprojekte — für Investoren rentabler.

Die Gründe sind strukturell:

  • Höhere Rendite bei kleinen Wohnungen: Pro Quadratmeter zahlen Mieter von Kleinwohnungen mehr als Mieter grosser Wohnungen
  • Höhere Fluktuation: Kleinere Einheiten werden häufiger neu vermietet – Gelegenheit zur Mietanpassung
  • Kleinere Zielgruppe: Familien mit 3+ Kindern sind eine Minderheit, Singles und Paare sind die Mehrheit
  • Baukosten pro Wohneinheit: Küchen, Bäder und Eingangsbereiche kosten bei grossen Wohnungen nicht proportional mehr – aber der Mietertrag schon

Die Konsequenz: Familien mit drei oder mehr Kindern finden de facto keine passende Wohnung — oder zahlen überdurchschnittlich viel. Die Schweiz bewegt sich in Richtung eines Zwei-Klassen-Mietmarktes: hochpreisige Neubauten und günstigere, aber immer seltenere Altbauten.

Historischer Tiefpunkt: Weniger Neubau als je zuvor

Der vielleicht schockierendste Befund: Die Schweiz baut pro Einwohner heute so wenig Wohnungen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Eine Auswertung des Tagesanzeigers auf Basis von BFS- und Wüest-Partner-Daten zeigt: In den 1980er-Jahren wurden in der Schweiz 114 neue Wohnungen pro 100 zusätzliche Einwohner gebaut. Für die 2020er-Jahre (2020–2025) liegt dieser Wert bei nur noch 52 — eine Halbierung.

Neugebaute Wohnungen pro 100 zusätzliche Einwohner (Schweiz)
Jahrzehnt Wohnungen pro 100 Einw. Delta zu 1980er
1980er114Referenz
1990er79−31%
2000er59−48%
2010er60−47%
2020er (bis 2025)52−54%

Das Problem: Die Bevölkerung wächst (Zuwanderung, Geburten), der Flächenverbrauch pro Person steigt (mehr Singles, ältere Bevölkerung, grössere Komfortansprüche) — der Neubau hält aber nicht mehr Schritt. Die Folge ist eine rechnerische Wohnungslücke, die sich Jahr für Jahr vergrössert.

Laut Wüest Partner fehlen in der Schweiz aktuell rund 51'000 Wohnungen, bis 2040 könnten es ohne Gegenmassnahmen über 100'000 sein. Die wirtschaftliche Attraktivität der Schweiz (Arbeitsplätze, Stabilität) wirkt gegen den dünnen Wohnungsbau — jeder zusätzliche Hochqualifizierte braucht eine Wohnung, die oft nicht da ist.

Das Abbruch-Paradox: Je mehr neu, desto mehr weg

Noch weniger beachtet wird ein zweites Phänomen: Steigende Abbrüche. Das Statistische Amt des Kantons Zürich zeigt für die Jahre 2010–2025 eine klar wachsende Kurve:

Neubau vs. Abbruch im Kanton Zürich
Jahr Neubauwohnungen Abbruchwohnungen Netto-Zubau
20107'7001'500+6'200
201510'1001'700+8'400
20208'8001'900+6'900
20217'9502'700+5'250
20239'6502'400+7'250
2025*7'7502'500+5'250

* 2025: vorläufige Werte. Quelle: Statistisches Amt Kanton Zürich.

Was ist passiert? In den 2010er-Jahren wurden im Kanton Zürich im Schnitt 1'700 Wohnungen pro Jahr abgerissen, seit 2021 sind es 2'400–2'700 pro Jahr — ein Zuwachs von 40–60%. Das bedeutet: Obwohl die Neubau-Zahlen oberflächlich stabil bleiben, sinkt der echte Netto-Zubau.

Warum wird mehr abgebrochen?

  • Ersatzneubau statt Sanierung: Wirtschaftlich für Investoren oft attraktiver — moderne Energiestandards, grössere Einheiten, höhere Mieten
  • Verdichtung: Ein 4-geschossiges Gebäude wird durch ein 6- bis 8-geschossiges ersetzt. Rein rechnerisch mehr Wohnungen — aber in der Übergangsphase fallen die alten weg
  • Alte Bausubstanz: Viele Bauten aus den 1950er/60er-Jahren entsprechen nicht mehr heutigen Normen (Schallschutz, Energie, Grundrisse)
  • Altbauten mit günstigen Mieten verschwinden, ersetzt durch Neubauten mit markt-Preisen

Das sozialpolitische Problem: Günstige Altmieten werden durch teure Neumieten ersetzt. Wer 15 Jahre in einer 80er-Jahre-Wohnung mit CHF 1'400 Miete gelebt hat, findet in der Ersatzwohnung (gleicher Standort, gleiche Grösse) kaum etwas unter CHF 2'500. Die Verdichtung ist stadtplanerisch richtig, drückt aber tausende Mieter aus ihrer Lebensumgebung.

Die Politik streitet — und verzögert

In der SRF-Arena und zahlreichen kantonalen Debatten wurden 2025/2026 verschiedene Lösungsansätze diskutiert. Die politischen Lager bleiben aber weit auseinander:

Vorschläge der bürgerlichen Seite

  • Verdichtung innerhalb bestehender Bauzonen: Mehr Geschosse, höhere Ausnützungsziffer
  • Aufhebung restriktiver Einzonungsregeln im Raumplanungsgesetz
  • Vereinfachte Bewilligungsverfahren (heute dauern komplexe Projekte 5–10 Jahre)
  • Steuererleichterungen für Bauherren

Vorschläge der linken Seite

  • Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus (Genossenschaften)
  • Strengere Anti-Spekulations-Massnahmen
  • Bestandsmieten schützen (z.B. Begrenzung der Anfangsmiete bei Neuvermietung)
  • Vorkaufsrecht der Gemeinden bei Liegenschaftsverkäufen

Das Problem: Keiner der Ansätze wirkt kurzfristig

Selbst wenn morgen Massnahmen beschlossen würden: Von der politischen Entscheidung bis zur bewohnbaren Wohnung vergehen in der Schweiz typisch 5–8 Jahre (Planung, Bewilligungsverfahren, Einsprachen, Bau, Endabnahme). Das bedeutet: Der Wohnungsmarkt wird in den nächsten 2–3 Jahren noch enger, bevor sich etwas entspannt.

Einsprachen: Der unterschätzte Blocker

Ein oft übersehener Faktor ist die Dauer von Einsprache- und Rechtsmittelverfahren. In Zürich zieht sich ein komplexes Wohnbauprojekt durchschnittlich 4–7 Jahre, bis der Spatenstich erfolgt. In urbanen Gebieten hat praktisch jedes grössere Projekt mit Opposition zu kämpfen — sei es wegen Dichte, Aussicht, Höhe oder Architektur.

Politisch wurde mehrfach angeregt, das Einsprache-Recht bei grossen Wohnbauprojekten einzuschränken. Juristisch stösst dies auf Widerstand (Eigentumsgarantie, Gehörsrecht). Der Kompromiss einer "beschleunigten Verfahren"-Regelung wird diskutiert, ist aber politisch umstritten.

Was können Mieter in dieser Situation tun?

Bis die Politik Lösungen liefert, sind Mieter auf sich selbst angewiesen. Die wichtigsten Strategien:

1. Perfektes Bewerberdossier

  • Aktueller Betreibungsregister-Auszug (nicht älter als 3 Monate)
  • Lohnausweise der letzten 3 Monate
  • Referenzschreiben des aktuellen Vermieters
  • Identitätsnachweis der Hauptmieter
  • Kurzprofil / Anschreiben mit Familienstand, Arbeitgeber, Motivation

2. Mietkaution sofort verfügbar machen

In einem engen Markt gewinnt oft, wer am schnellsten zusagen kann. Eine Mietkautionsversicherung stellt die Bürgschaftsurkunde innert 24 Stunden aus — ein klassisches Bankdepot dauert 3–7 Werktage. Zudem muss das Kapital nicht parallel aufgebracht werden, was bei gleichzeitigem Umzug entscheidend ist.

3. Flexibilität zeigen

  • Einzugsdatum flexibel halten (Vermieter schätzen kurzfristige Übergaben)
  • Auch Wohnungen in weiterer Pendeldistanz berücksichtigen
  • Agglomerationsgemeinden statt Stadtkern prüfen
  • Zwischenmiete/Nachmiete aktiv suchen (OR 264)

4. Netzwerk aktivieren

  • Freunde, Familie, Kollegen informieren (Mund-zu-Mund-Propaganda)
  • Genossenschaftsanmeldung bei lokalen Wohnbaugenossenschaften
  • Bei Verwaltungen direkt anrufen, nicht nur online bewerben

5. Bestehenden Mietvertrag halten

Wer bereits eine gute Wohnung hat, sollte sich zweimal überlegen, ob ein Wechsel lohnt. Altmieten sind durch OR 269 geschützt — Neuvermietungen unterliegen hingegen dem Marktpreis. In Zürich können Neumieter heute 20–30% mehr zahlen als Altmieter in vergleichbaren Wohnungen.

Warum die Mietkaution in der Knappheit wichtig wird

In einem Markt, in dem Vermieter aus zehn Bewerbern einen auswählen können, zählt jede Sekunde. Die Finanzierung der Mietkaution ist für viele Bewerber der kritische Flaschenhals:

  • Bei CHF 4'000 Kaution (3 Nettomonatsmieten à CHF 1'333) braucht es Liquidität
  • Beim Umzug ist parallel die alte Kaution noch gebunden
  • Kontoeröffnung bei der Bank dauert Tage
  • Ohne Nachweis: keine Wohnungszusage

Eine Mietkautionsversicherung löst diese Probleme: Das Kapital bleibt frei, die Urkunde ist innert 24 Stunden beim Vermieter. Bei sechs Anbietern am Schweizer Markt (AXA, Helvetia, goCaution, SmartCaution, FirstCaution, SwissCaution) ist die Prämie mit 4–5% der Kautionssumme moderat — bei CHF 4'000 also rund CHF 168–231 pro Jahr. Details im Prämien-Rechner.

Ausblick: Was 2026/27 zu erwarten ist

Die nächsten 12–24 Monate werden entscheidend:

  • Weitere Mietsteigerungen bei Neuvermietungen, insbesondere in den Zentren
  • Leerstandsquote sinkt weiter in Richtung 1% und darunter
  • Politische Debatte intensiviert sich, konkrete Bundesgesetze kommen frühestens 2027/28
  • Mieterverbände fordern Notrecht: Anfangsmietzins-Begrenzung, Mietpreisbremse
  • Verdichtung in Agglomerationen nimmt zu

Für Mieter gilt: Ruhe bewahren, pragmatisch handeln, Dossier aktuell halten. Und: die Mietkaution nicht als Hindernis stehen lassen.

Fazit

Die Schweizer Wohnungsknappheit ist strukturell und wird kurzfristig nicht verschwinden. Politische Lösungen sind richtig, wirken aber erst in einer Zeitspanne von 5+ Jahren. Mieter müssen sich selbst organisieren: perfektes Dossier, flexible Finanzierung der Kaution, Netzwerkaktivierung, realistische Erwartungen an Lage und Grösse. Wer bereits eine gute Wohnung hat, sollte diese halten. Wer suchen muss, sollte bei der Kaution die Versicherungs-Variante prüfen — das kann den entscheidenden Vorsprung bei der Zusage bringen.

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