Ratgeber 2026

Alles zur Mietkautionsversicherung.

Lohnt sich der Verzicht auf das Bankdepot? Wir erklären Kosten, Risiken, Prozesse und rechtliche Grundlagen – ehrlich und transparent.

Das Wichtigste in Kürze

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Liquidität

Du musst keine 1–3 Monatsmieten blockieren. Das Geld bleibt verfügbar für Umzug, Möbel oder Reserve.

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Jahreskosten

Typisch sind ca. 4–5% der Kautionssumme pro Jahr – je nach Anbieter plus Gebühren/Stempelsteuer.

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Sicherheit

Der Vermieter erhält eine Bürgschaftsurkunde – das Ziel ist vergleichbar mit einer Bankkaution.

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Kein Freipass

Bei Auszahlung an den Vermieter wird der Betrag in der Regel vom Mieter zurückgefordert (Regress).

Quick-Check: Wenn du voraussichtlich lange in der Wohnung bleibst und die Kaution problemlos hinterlegen kannst, ist ein Bankdepot oft günstiger. Wenn du Liquidität willst oder die Kaution nicht blockieren möchtest, ist die Bürgschaft oft die praktikablere Lösung.

1. Was ist eine Mietkautionsversicherung?

Die Mietkautionsversicherung (auch Mietkautionsbürgschaft genannt) ist eine Alternative zum klassischen Mietzinsdepot (Sperrkonto). Statt mehrere Tausend Franken auf einem Konto zu blockieren, bezahlst du laufende Kosten (Prämie/ Gebühren) und erhältst dafür eine Bürgschaftsurkunde zugunsten des Vermieters.

Für Vermieter ist wichtig: Die Bürgschaft ist keine “Rabatt-Kaution”, sondern eine Sicherheit in anderer Form. Für Mieter ist wichtig: Es handelt sich nicht um eine Haftpflichtversicherung – im Schadenfall kann es zu Rückforderungen kommen.

Begriffe: “Mietkautionsversicherung” wird umgangssprachlich genutzt. Juristisch/technisch ist oft von Bürgschaft oder Kautionsbürgschaft die Rede.

2. Rechtliche Lage & maximale Höhe

Im Schweizer Mietrecht ist geregelt, dass Vermieter bei Wohnräumen maximal drei Monatsmieten als Sicherheit verlangen dürfen. Ob diese Sicherheit als Sperrkonto oder als Bürgschaft gestellt wird, ist in der Praxis eine Frage der Vereinbarung.

Wichtig: Der Vermieter muss der Bürgschaft als Sicherheitsform zustimmen. Viele Verwaltungen akzeptieren etablierte Anbieter, aber ein Anspruch auf Akzeptanz besteht in der Praxis nicht immer.

Was bedeutet das für dich?

  • Beim Neubezug: Kläre früh, ob Verwaltung/Vermieter Bürgschaften akzeptiert.
  • Beim Wechsel: Der Wechsel vom Bankdepot zur Bürgschaft klappt meist, wenn der Vermieter die Ablösung bestätigt.
  • Bei Auszug: Die Bürgschaft endet erst, wenn der Vermieter bestätigt, dass keine Sicherheit mehr benötigt wird.

3. Was kostet es wirklich?

Für einen fairen Vergleich zählt das Total pro Jahr – nicht nur der Prozentwert. Typischerweise bestehen die Jahreskosten aus:

  • Basisprämie: Prozent der Kaution (oft 4–5%).
  • Fixe Gebühren: z.B. Verwaltungs-/Administrationsgebühr (je nach Anbieter).
  • Stempelsteuer: häufig 5% auf Prämien/Prämie+Gebühr – je nach Modell separat oder bereits enthalten.

Tipp: Vergleiche immer mit gleicher Kautionssumme und prüfe zusätzlich Ereignisgebühren (siehe nächster Abschnitt). Unser Vergleichsrechner sortiert nach geschätzten Jahreskosten und zeigt Events separat.

Die häufigste Falle: Ereignisgebühren

Viele Kosten entstehen nicht “jedes Jahr”, sondern erst bei bestimmten Ereignissen – zum Beispiel bei Kündigung/Wechsel, bei einer Rückerstattung (pro rata) oder im Schadenfall. Diese Gebühren verändern die Gesamtrechnung und sollten bewusst geprüft werden.

Merke: “Günstig pro Jahr” kann im Einzelfall teurer werden, wenn bei Kündigung/Schadenfall Gebühren anfallen. Darum: Jahreskosten + kurzer Worst-Case-Check.

4. Vorteile & Nachteile – wann lohnt es sich?

Vorteile

  • Liquidität: Keine Blockierung des Kapitals (Umzug, Kaution, Möbel, Reserve).
  • Einfacher Abschluss: Häufig online in wenigen Minuten möglich.
  • Praktisch bei Wechsel/Neustart: Wenn das Bankdepot zu teuer ist oder du es nicht sofort leisten willst.

Nachteile

  • Laufende Kosten: Prämie fällt jährlich an – bei langer Mietdauer summiert sich das.
  • Regress: Bei Auszahlung an den Vermieter kann der Betrag vom Mieter zurückgefordert werden.
  • Events/Prozesse: Kündigung/Wechsel hängt oft von Vermieterbestätigung ab; Ereignisgebühren möglich.

Faustregel: Je kürzer du voraussichtlich bleibst, desto eher kann sich die Bürgschaft “rechnen” (Liquidität/Komfort). Je länger du bleibst, desto eher wird ein Bankdepot langfristig günstiger.

5. So funktioniert der Abschluss

Der Prozess ist heute meist digitalisiert und dauert oft nur wenige Minuten:

  1. Vergleich: Anbieter, Jahreskosten und Ereignisgebühren prüfen.
  2. Antrag: Online-Antrag ausfüllen (Mietobjekt/Verwaltung, persönliche Daten).
  3. Prüfung: Bonitäts-/Risikoprüfung (je nach Anbieter und Kautionshöhe).
  4. Bezahlung: Startprämie/erste Jahresprämie begleichen.
  5. Zertifikat: Bürgschaftsurkunde an Vermieter/Verwaltung (oft digital).

Tipp für den Alltag: Kläre früh, wohin das Zertifikat gehen muss (E-Mail/Adresse der Verwaltung). Das vermeidet Verzögerungen beim Mietstart.

6. Wechsel vom Bankdepot zur Mietkautionsversicherung

Viele Mieter wechseln nachträglich – typischerweise, um gebundenes Kapital wieder frei zu bekommen. Das Vorgehen ist meist ähnlich:

  • Bürgschaft abschliessen und Zertifikat an Vermieter/Verwaltung senden lassen.
  • Ablösung bestätigen lassen (Verwaltung bestätigt, dass die neue Sicherheit akzeptiert ist).
  • Bankdepot freigeben (Bank erhält Freigabe, Geld wird ausbezahlt/entblockt).

Wichtig: Die Freigabe des Bankdepots erfolgt nur, wenn die Verwaltung den Wechsel akzeptiert. Plane dafür etwas Zeit ein – insbesondere bei Umzugsspitzen.

7. Was passiert im Schadenfall?

Ein häufiges Missverständnis: Die Mietkautionsversicherung ist keine Haftpflichtversicherung. Sie ersetzt das Depot als Sicherheit – nicht deine Verantwortung.

Wenn der Vermieter berechtigte Forderungen stellt (z.B. Schäden, ausstehende Mieten) und diese nicht beglichen werden, kann der Anbieter im Rahmen der Bürgschaft zahlen. Anschliessend wird der Betrag in der Regel vom Mieter zurückgefordert (Regress).

Praxis-Tipp: Dokumentiere den Wohnungszustand bei Einzug (Fotos/Protokoll) und kläre strittige Punkte beim Auszug schriftlich. Das reduziert Konflikte – unabhängig davon, ob du Depot oder Bürgschaft nutzt.

8. Kündigung, Wechsel & Ende der Bürgschaft

Eine Bürgschaft endet typischerweise, wenn der Vermieter bestätigt, dass keine Sicherheit mehr benötigt wird – etwa nach Auszug, nach Schlussabrechnung oder wenn du eine andere Sicherheit stellst (z.B. Bankdepot).

  • Auszug: Vermieter/Verwaltung bestätigt das Ende nach Abnahme/Abrechnung.
  • Wechsel: Neue Sicherheit muss akzeptiert sein, erst dann kann die alte enden.
  • Rückerstattung: Bei einigen Modellen erfolgt eine pro-rata Abrechnung; teils mit Rückerstattungs-/Bearbeitungsgebühren.

Achtung: Kündigung ist nicht immer “nur ein Klick”. Oft braucht es die Bestätigung/Handlung der Verwaltung (Zertifikat zurück, Freigabe, Abrechnung).

9. Checkliste: So vergleichst du Anbieter richtig

Wenn du Anbieter beurteilst, hilft eine kurze Systematik – unabhängig von Marketing-Slogans:

  • Total/Jahr: Basisprämie + fixe Gebühr + Stempelsteuer (gemäss Modell).
  • Ereignisgebühren: Rückerstattung/Kündigung, Schadenfall, Mahn-/Betreibungsgebühren.
  • Kündigungsregeln: Fristen, Mindestdauer, Prozesse.
  • Akzeptanz: Wird der Anbieter von Verwaltungen/Vermietern häufig akzeptiert?
  • Service: Digitale Urkunde, Zustellung, Support, Transparenz.

Profi-Tipp: Nutze eine Laufzeit-Simulation (z.B. 5/8/10 Jahre). So siehst du sofort, ob ein kleiner Jahresunterschied langfristig gross wird.

10. Alternativen zur Mietkautionsversicherung

Die Bürgschaft ist nicht die einzige Option. Je nach Situation können Alternativen sinnvoll sein:

  • Mietzinsdepot (Sperrkonto): Geld wird blockiert, dafür keine laufenden Prämien.
  • Kombination: Teil in bar + Teil als Bürgschaft (bei einzelnen Anbietern möglich).
  • Privatbürgschaft: selten, abhängig von Vermieterakzeptanz und Bonität.

Merke: Das “beste” Modell ist individuell. Entscheidend sind Liquidität, Mietdauer, Risikoprofil und Vermieterakzeptanz.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich eine bestehende Bankkaution in eine Mietkautionsversicherung umwandeln?

Ja. Du schliesst die Bürgschaft ab, das Zertifikat wird an die Verwaltung geschickt und danach wird das Bankdepot freigegeben. Wichtig: Der Vermieter muss die Ablösung akzeptieren und die Freigabe korrekt bestätigen.

Muss der Vermieter eine Mietkautionsversicherung akzeptieren?

In der Praxis braucht es Zustimmung des Vermieters/der Verwaltung. Viele akzeptieren etablierte Anbieter, aber kläre das am besten frühzeitig.

Woraus bestehen die Jahreskosten genau?

Meist aus Basisprämie (Prozent der Kaution), ggf. fixen Verwaltungsgebühren und ggf. Stempelsteuer. Für den Vergleich zählt das Total pro Jahr.

Gibt es Gebühren, die nicht im Jahres-Total enthalten sind?

Ja: sogenannte Ereignisgebühren (z.B. Rückerstattungs-/Abrechnungsgebühren bei Kündigung, Gebühren im Schadenfall, Mahn- oder Betreibungsgebühren). Diese fallen nicht jedes Jahr an – können aber wichtig werden.

Wie kündige ich die Mietkautionsversicherung?

Typischerweise endet die Bürgschaft, wenn die Verwaltung bestätigt, dass keine Sicherheit mehr benötigt wird (z.B. nach Auszug) oder wenn du eine andere Sicherheit stellst. Prozesse und Fristen stehen in den Bedingungen des Anbieters.

Was passiert im Schadenfall – zahlt die Versicherung “für mich”?

Der Anbieter kann dem Vermieter zahlen, fordert den Betrag aber in der Regel vom Mieter zurück (Regress). Es ist keine Haftpflichtversicherung, sondern eine Sicherheitsleistung statt Bankdepot.

Wann lohnt sich eine Mietkautionsversicherung eher nicht?

Wenn du das Geld problemlos als Bankdepot hinterlegen kannst und voraussichtlich sehr lange in der Wohnung bleibst, kann das Bankdepot langfristig günstiger sein, weil keine jährlichen Prämien anfallen.